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Mistelentfernung

24.07.2026

In vielen Regionen Deutschlands – so auch in Rinteln – sind Misteln zunehmend in den Baumkronen zu beobachten. Die Mistel (Viscum album) ist zwar eine heimische Pflanzenart und stellt für zahlreiche Vogelarten eine wichtige Nahrungsquelle dar. Als sogenannter Halbschmarotzer entzieht die Mistel jedoch ihren Wirtsbäumen Wasser und Nährstoffe und kann langfristig zu deren Absterben führen. Besonders betroffen sind Laubbäume wie Pappeln, Linden und Apfelbäume.

Für die Stadt Rinteln als Baumeigentümerin bedeutet dies einen erheblichen zusätzlichen Finanz- und Pflegeaufwand, um die Bäume u.a.  als wichtige Schattenspender langfristig zu erhalten. So müssen beispielsweise abgestorbene Äste entfernt und zunehmend auch Bäume gefällt und nachgepflanzt werden. Um die Ausbreitung der Mistel einzudämmen, ist es wichtig, diese frühzeitig aus den Baumkronen zu entfernen und fachgerecht zu entsorgen. Auf diese Weise kann die weitere Verbreitung durch Vögel, die die Beeren transportieren, deutlich reduziert werden.  

Die Stadt Rinteln möchte den Schäden durch Mistelbefall vorbeugend entgegenwirken und hat daher über das Förderprogramm KfW 444 („Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“) eine Bewilligung für Baumpflegemaßnahmen, Vitalisierungsschnitte sowie Nachpflanzungen erhalten. Parallel dazu hat die Obstwiesenland gGmbH einen Förderantrag im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) für Maßnahmen auf Privatflächen gestellt und ebenfalls eine Förderzusage erhalten. Beide Fördersummen belaufen sich zusammen auf über 100.000 Euro. Der Eigenanteil der Stadt beträgt dabei weniger als 10%. 

Durch die Bündelung der Fördermittel können innerhalb eines definierten räumlichen Bereichs möglichst viele Bäume, unabhängig von den Besitzverhältnissen, zeitgleich von Misteln befreit werden. Dies erhöht die Wirksamkeit der Maßnahmen. Selbstverständlich erfolgen Arbeiten an Bäumen auf Privatgrundstücken ausschließlich mit Zustimmung der jeweiligen Eigentümerinnen und Eigentümer.

Ein wichtiger Flächeneigentümer im Projektgebiet ist der Fischereiverein Grafschaft Schaumburg von 1908 e.V, dem zahlreiche Flächen rund um die Sassenbergschen Teiche an der Extertalstraße gehören. Dort wurden viele mit Misteln befallene Bäume festgestellt. Als Dr. Sven Steinke, Koordinator des Mistelprojekts der Obstwiesenland gGmbH, seine Projektidee vorstellte, stieß er beim Verein unmittelbar auf große Zustimmung „Für uns als Verein ist dieses Projekt ein absoluter Gewinn. Wir erhalten unsere ökologisch wertvollen Bäume an den Teichen, sichern die Nutzbarkeit der Wege für unsere Mitglieder – und das alles, ohne unsere Vereinskasse belasten zu müssen“, freut sich Lars Homeier, Vorsitzender des Fischereivereins.“

Auch Frau Wahl von der Stadtverwaltung Rinteln (Kommunaler Natur-, Umwelt-, und Klimaschutz) begrüßt die Förderung und die Zusammenarbeit mit der Obstwiesenland gGmbH: „Die Stadt hat in den letzten Jahren bereits zahlreiche Misteln aus städtischen Bäumen entfernt. Doch solche Kooperationen sind besonders wirksam, denn gemeinsam kann man deutlich mehr erreichen, jetzt auch auf privaten Flächen, und hoffentlich weitere Akteure motivieren, sich ebenfalls zu beteiligen.“

Im ersten Schritt sollen die Flächen und Feldwege rund um die Sassenbergschen Kiesteiche weitgehend von den privaten „Misteln-Vektoren“ befreit werden. Anschließend folgt die städtische Maßnahme. Es ist vorgesehen, zukünftig auch andere Bereiche im Stadtgebiet nach diesem Vorbild zu behandeln.

Wer Misteln an seinen Bäumen feststellt, sollte frühzeitig handeln, damit Schäden und Ausbreitung minimiert werden. Bürgerinnen und Bürger können sich für eine fachliche Beratung an die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Landkreises Schaumburg oder an die gemeinnützige Obstwiesenland gGmbH (www.obstwiesenland.org) wenden und Informationen zur sachgerechten Entfernung erhalten.

Misteln

Dr. Sven Steinke (Obstwiesenland gGmbH), Lars Homeier (Fischerei-Verein Grafschaft Schaumburg), Josefine Wahl (Stadt Rinteln) vor den Sassenbergschen Teichen